Urbane Nachbarschaftsprojekte als Keimzellen des öko-sozialen Wandels

Referentin: Dr. Hannelore Schnell, Biologin, Mitglied im Münchner Ernährungsrat und StadtAcker-Gärtnerin am Ackermannsbogen

Klimawandel, Biodiversitätsverluste, Bodendegradation, Ressourcenverschwendung, … – es mangelt nicht an Wissen über den schlechten Zustand unseres Planeten. Aber das reicht offensichtlich nicht aus, um in ein transformatives Handeln zu kommen. Im Gegenteil: Bei vielen führt die Beschreibung der planetaren Krisen zur Verdrängung und Ablehnung.

Damit das nicht passiert, braucht es ein aktivierendes Miteinander in Gemeinschaft und Experimentierräume, um dort Selbstwirksamkeit zu erfahren. Nur dann fällt die Vermittlung von notwendigem Handlungswissen auf fruchtbaren Boden. Wie am Beispiel des StadtAckers, einem urbanen Gemeinschaftsgarten am Ackermannbogen gezeigt werden kann, spielen Nachbarschaftsprojekte dabei eine wichtige Rolle.

In der Gruppe fällt es leichter, Normalitätsvorstellungen zu hinterfragen. Konsumgewohnheiten, Ernährungsstil und Mobilität können in einem geschützten Raum besprochen, Erfahrungen mit neuen Wegen ausgetauscht werden. Gleichgesinnte und gegenseitige Unterstützung sind leichter zu finden als wenn sich jede*r allein auf den Weg macht.

Der Vorteil der kleinen Initiativen ist ihre Vielfalt und ihre Flexibilität. Sie beginnen lokal und unbürokratisch. Sie stehen nicht unter einem wirtschaftlichen Erfolgsdruck. Fehler dürfen gemacht werden. Kreativität und Experimentierfreude werden gefördert. Voraussetzung ist allerdings, dass die Stadtpolitik den Wert dieser Initiativen für den öko-sozialen Wandel erkennt und mit finanzieller Förderung die Kontinuität von Nachbarschaftsprojekten sicherstellt, da sie nicht allein durch ehrenamtliche Arbeit gewährleistet werden kann.